BDSM - Blog

Warum ein Blick von außen manchmal der ehrlichste ist

Wie gut kennst du eigentlich deine eigene BDSM-Praxis? Ich meine nicht die Techniken oder das, was du gelernt, ausprobiert und vielleicht längst perfektioniert hast. Ich meine das, was dahintersteckt. Warum du tust, was du tust. Was dich wirklich antreibt, wo deine Grenzen verlaufen und ob sie noch dort liegen, wo du sie vor drei Jahren gezogen hast. Ich stelle diese Frage oft, und die ehrliche Antwort lautet meistens, dass es eine Weile her ist. Nicht, weil wir oberflächlich wären. Sondern weil der Alltag dafür selten Platz lässt. Zwischen Terminen, Beziehungen, Arbeit und allem, was sonst noch ansteht, bleibt kaum Raum, sich hinzusetzen und sich selbst zuzuhören. Und wenn doch einmal ein ruhiger Abend frei ist, fehlt oft der Anfang. Wo fängt man an, wenn man sich selbst schon so lange kennt?

Das Problem mit dem eigenen Blick

Wir sind uns selbst gegenüber erstaunlich blind. Das liegt nicht an mangelnder Intelligenz oder Selbstkenntnis, sondern daran, dass wir unsere Muster von innen betrachten. Was wir schon immer so gemacht haben, fällt uns nicht mehr auf. Was uns peinlich ist, umschiffen wir elegant. Und was sich einmal bewährt hat, halten wir gern für unsere Wahrheit, auch wenn wir uns längst weiterentwickelt haben. Ein Impuls von außen kann genau hier etwas bewegen. Nicht, weil jemand anderes besser wüsste, was gut für dich ist, das weiß er nicht. Sondern weil eine gute Frage an einer Stelle ansetzt, an der du allein nie nachgefragt hättest. Weil ein Gedanke aus einer anderen Perspektive dein eigenes Bild kurz ins Wanken bringt, und du dadurch etwas siehst, das vorher im Hintergrund lag. Ich erlebe das in meiner Arbeit immer wieder. Die wertvollsten Momente sind selten die großen Erkenntnisse. Es sind kleine Sätze wie „Ach, darum fühlt sich das so an." Und häufig führen sie zu einem Bedürfnis, das hinter einem Wunsch lag, den man schon lange mit sich herumträgt, ohne ihn je wirklich verstanden zu haben.

Warum ein einzelner Workshop oft nicht reicht

Ich liebe Workshops, und ich gebe sie gern. Aber ich kenne auch ihr Schicksal. Man geht nach Hause, voller Gedanken und Vorsätze, und drei Wochen später hat der Alltag alles überschrieben. Nicht aus Faulheit. Reflexion braucht schlicht Zeit, Wiederholung und Gelegenheit, im echten Leben auszuprobieren, was sich im Kopf richtig anfühlt. Aus diesem Gedanken heraus habe ich „BDSM – reflektiert durch 2027" entwickelt. Ein Jahr, zwölf Monate, zwölf Themen. Der Anfang liegt im Januar bei der Standortbestimmung, danach geht es über Bedürfnisse, Grenzen, Kommunikation, Macht und Verantwortung bis zum Ausblick im Dezember. Jeder Monat schaltet neue Seiten eines persönlichen Workbooks frei, bewusst nicht alles auf einmal. Wer schon einmal ein Arbeitsheft in der ersten Woche durchgeblättert und dann liegen gelassen hat, weiß, warum. Dazu kommen zwei Audios im Monat. Im ersten ordne ich das Thema ein und gebe einen ersten Denkanstoß, im zweiten führe ich die Reflexion mit einer neuen Impulsfrage weiter. Eine kleine Challenge holt das Ganze aus dem Kopf heraus ins echte Leben, denn Erkenntnis, die nie den Schreibtisch verlässt, bleibt oft folgenlos. Zweimal im Monat treffen wir uns außerdem als Gruppe zu einem Live-Termin von zwei Stunden, einmal unter der Woche und einmal am Wochenende. Beide werden aufgezeichnet, falls das Leben dazwischenkommt.

Was das Format ist und was nicht

Mir ist wichtig, dass hier nichts versprochen wird, was es nicht ist. Das Programm ist kein Coaching und kein Therapieersatz. Es ist strukturierte Selbstreflexion, wissenschaftlich fundiert und ohne pathologisierenden Unterton. Niemand muss hier etwas an sich reparieren. Die Fragen zielen immer auf das Bedürfnis hinter einem Wunsch und nicht auf eine oberflächliche Bestandsaufnahme nach dem Muster „Was magst du, was magst du nicht". Und es ist offen für alle. Für dominante, devote und switchende Menschen, und ebenso für alle, die sich in diesen Rollen nicht wiederfinden. Wer sich fragt, was Machtgefälle, Hingabe oder Verantwortung für ihn persönlich bedeuten, ist hier richtig, ganz gleich, wo er gerade steht.

Eine Einladung zum Innehalten

Vielleicht brauchst du dafür kein Programm. Vielleicht reicht dir ein Abend, ein Notizbuch und eine Person, der du vertraust. Das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist mir nur der Gedanke dahinter. Deine Praxis verdient mehr als Gewohnheit. Sie verdient, dass du dir ab und zu die Zeit nimmst, sie wirklich anzuschauen, mit Neugier statt mit Urteil und vielleicht mit einem Impuls von jemandem, der nicht in deinem Kopf wohnt.

Was würdest du entdecken, wenn du dir ein Jahr lang jeden Monat eine Frage stellen würdest?

Mehr Informationen zum Programm findest du hier.

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