Red Flags und Green Flags im BDSM: Warum es sich lohnt, genauer hinzuschauen
Beim Kennenlernen im BDSM geht es häufig um Wünsche, Grenzen, Vorstellungen und Erwartungen. Was möchtest du? Was möchtest du nicht? Welche Dynamik suchst du? Was ist dir wichtig? Aber es gibt noch eine andere Frage: Woran erkennst du eigentlich, ob der Umgang miteinander für dich stimmig ist?
Genau hier können Red Flags und Green Flags hilfreich sein. Nicht als Bewertungssystem für Menschen und auch nicht als Checkliste, mit der du nach zehn Minuten entscheiden kannst, ob jemand „gut“ oder „schlecht“ ist. Sondern als Einladung, genauer hinzuschauen.
Warum wir Warnsignale nicht immer erkennen
Wenn wir jemanden kennenlernen, nehmen wir nicht nur das Verhalten unseres Gegenübers wahr. Wir bringen auch unsere eigenen Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen mit. Vielleicht sind wir neugierig, aufgeregt oder sehr beeindruckt von der Erfahrung des anderen. Und manchmal möchten wir einfach, dass eine bestimmte Verbindung funktioniert.
Das kann beeinflussen, wie wir bestimmte Situationen interpretieren. Ein Verhalten, das uns eigentlich irritiert, erklären wir dann vielleicht mit: „Das ist eben seine dominante Art.“ Oder: „Ich bin einfach noch unerfahren.“ Oder: „Vielleicht gehört das im BDSM dazu.“
Dabei kann eine ganz andere Frage sinnvoller sein: Wie geht es mir eigentlich damit?
Anders bedeutet nicht automatisch problematisch
BDSM ist vielfältig. Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was Dominanz, Submission, Regeln, Nähe, Kontrolle oder sexuelle und nicht-sexuelle Dynamiken für sie bedeuten. Deshalb sollte eine Abweichung von den eigenen Vorstellungen nicht automatisch als Red Flag betrachtet werden.
Eine Dynamik muss nicht zu dir passen, um für jemand anderen zu funktionieren. Und genau hier ist eine wichtige Unterscheidung: Nicht kompatibel bedeutet nicht automatisch problematisch.
Du darfst etwas ablehnen, weil du es nicht möchtest. Dafür brauchst du keinen objektiven Beweis, dass es „schlecht“ ist.
Worum es bei Red Flags eigentlich geht
Red Flags können Hinweise darauf sein, dass es sich lohnt, eine Situation genauer zu betrachten. Dabei ist nicht nur das ursprüngliche Verhalten interessant. Oft ist viel wichtiger, wie sich eine Situation weiterentwickelt.
Was passiert nach einem Nein? Was passiert nach einem Missverständnis? Was passiert, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden? Was passiert, wenn jemand seine Meinung ändert? Und was passiert, wenn die andere Person einen Fehler gemacht hat?
Gerade solche Situationen können viel darüber zeigen, wie eine Dynamik mit Grenzen, Macht, Verantwortung und Konflikten umgeht.
Und was können Green Flags zeigen?
Green Flags können umgekehrt Hinweise darauf sein, dass eine gute Grundlage für Kommunikation vorhanden ist. Jemand hört zu, respektiert deine Grenzen, kann Unsicherheit aushalten, einen Fehler zugeben und ist bereit, über Vereinbarungen zu sprechen.
Das sind gute Voraussetzungen. Aber auch Green Flags sind keine Garantie. Denn respektvoll miteinander umzugehen bedeutet nicht automatisch, dass zwei Menschen miteinander kompatibel sind.
Vielleicht wollt ihr unterschiedliche Dinge. Vielleicht braucht ihr unterschiedliche Formen von Nähe. Vielleicht passen eure Vorstellungen von BDSM nicht zusammen. Auch das darf sein.
Deshalb sind Red und Green Flags kein Urteil
Ich finde es hilfreicher, Red und Green Flags als Beobachtungshilfen zu verstehen. Sie sollen nicht für dich entscheiden. Sie sollen dich dazu bringen, genauer hinzusehen und vielleicht eine Frage zu stellen, die du sonst nicht gestellt hättest.
Zum Beispiel: „Warum fühlt sich das für mich gerade nicht richtig an?“ Oder: „Was passiert hier gerade mit meinen Grenzen?“ Oder: „Kann ich in dieser Dynamik tatsächlich sagen, was ich möchte und was ich nicht möchte?“
Das sind Fragen, die nicht nur beim ersten Kennenlernen interessant sind. Sie können auch Monate oder Jahre später noch wichtig sein, denn eine Dynamik bleibt nicht zwangsläufig immer gleich. Menschen verändern sich, Bedürfnisse verändern sich und Lebenssituationen verändern sich.
Der eigene Blick ist entscheidend
Am Ende geht es bei Red und Green Flags deshalb nicht darum, möglichst viele Warnzeichen zu sammeln. Es geht darum, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen, ohne jede Irritation sofort als Beweis für ein Problem zu interpretieren.
Wahrnehmen. Nachfragen. Reflektieren. Entscheiden.
Und wenn etwas nicht passt, darf die Antwort auch einfach sein: „Das möchte ich nicht.“ Du musst nicht erst beweisen, dass jemand anderes etwas falsch gemacht hat.
Kostenloser Guide: Red Flags & Green Flags im BDSM
Wenn du genauer hinschauen möchtest, habe ich dazu einen kostenlosen Guide erstellt. Darin findest du konkrete Red Flags und Green Flags vom Kennenlernen bis in eine bestehende BDSM-Dynamik, als praktische Übersicht zum Nachschauen und Reflektieren.
Hier geht es zum kostenlosen Red-&-Green-Flag-Guide
Vielleicht ist nicht jede Situation darin für dich relevant. Vielleicht erkennst du dich an einer Stelle wieder. Vielleicht bekommst du auch einfach eine neue Frage, über die du bisher noch nicht nachgedacht hast.
Und genau dafür ist der Guide gedacht.
