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Ein Gespräch mit Talea Kant

Wie läuft ein Kurs bei Talea Kant eigentlich wirklich ab, und was denkt sich die Frau dahinter, wenn sie nicht gerade vorne steht? Die Redaktion hat nachgefragt, ganz ohne Zurückhaltung.

Was überrascht Teilnehmende an deinen Kursen am meisten, wenn sie zum ersten Mal dabei sind?

Die Tiefe. Ganz oft höre ich, dass Menschen mit der Erwartung kommen, es gehe um ein paar Techniken und fertige Anleitungen, und dann merken sie, da steckt viel mehr dahinter. Wissenschaftliche Grundlagen, persönliche Erfahrung, und ich gehe wirklich auf die Fragen ein, die im Raum stehen. Neunzig Minuten sind dafür ehrlich gesagt oft zu kurz. Ich könnte locker drei, vier, fünf Vorträge aus einem einzigen Thema machen, das habe ich auch schon öfter als Rückmeldung bekommen. Es geht eben nicht nur um Techniken. Es geht um Hintergrund, um Respekt, um Wissen. Und genau das ist für mich der Kern.

Gibt es eine Frage, die dir in Workshops besonders oft gestellt wird?

Ja, vor allem von der dominanten Seite. Da geht es meistens um konkrete Ideen, wie man bestimmte Aufgaben gestaltet oder wie man Regeln durchsetzt, ohne dabei in irgendeine Schablone zu verfallen. Niemand will das, was schon hundertmal gemacht wurde. Da ich selbst ziemlich kreativ bin, konnte ich dem einen oder anderen schon einen hilfreichen Tipp mitgeben. Das mag ich an diesen Momenten, da merkt man, die Leute wollen nicht nur konsumieren, sie wollen selbst etwas daraus machen.

Wie gehst du mit Teilnehmenden um, die sehr unsicher oder schüchtern wirken?

Für mich ist das völlig in Ordnung. Es besteht nie eine Pflicht, sich mit Kamera oder Mikrofon zu beteiligen. Wer nur zuhören möchte, darf einfach nur zuhören. Und wer eine Frage hat, die er oder sie nicht vor allen stellen möchte, kann mich danach auch persönlich anschreiben. Niemand muss sich in der Öffentlichkeit öffnen, um etwas mitzunehmen. Schüchternheit ist kein Defizit, sie ist einfach eine Art, sich der Sache zu nähern.

Gibt es ein Thema, bei dem du eine klare, vielleicht auch etwas unbequeme Haltung vertrittst?

Oh ja, gleich mehrere. Mich macht es wütend, wenn Leute sich Aufklärungscontent nennen und im gleichen Atemzug erzählen, sie würden kein Safeword benutzen, weil der Dom das ja ohnehin schon wissen müsse. Als würde ein Safeword die Fähigkeiten des Doms infrage stellen. Das Gegenteil ist der Fall, ein Safeword ist ein Sicherheitswerkzeug, kein Misstrauensvotum. Wer so etwas als Aufklärung verkauft, verbreitet in Wahrheit ein gefährliches Missverständnis.

Und ich werde auch unbequem, wenn im Namen der Toleranz Menschen eine Bühne geboten wird, die öffentlich erzählen, ihnen seien Grenzen egal, sie würden einfach draufloshauen und sich dabei schon mal vergessen. Das finde ich unter aller Sau, gerade weil ich es oft genug mit den Menschen zu tun habe, die solche Ausraster über sich haben ergehen lassen müssen. Wenn dann andere meinen, solche Personen gehörten in einen Talk oder Podcast eingeladen, dann sage ich dazu ganz klar meine Meinung. Respekt ist für mich keine Verhandlungsmasse.

Was ist dir in deiner Arbeit wichtiger, Wissen vermitteln oder Ängste abbauen?

Ich glaube, das lässt sich gar nicht trennen. Indem ich Wissen vermittle, baue ich Ängste ab, das eine bewirkt das andere. Angst entsteht meistens dadurch, dass man nicht weiß, was passieren wird oder was einen erwartet. Wer sich mit einem Thema beschäftigt und sich ein Grundrepertoire an Wissen aufbaut, für den werden die meisten Dinge weniger bedrohlich. Sicherheit im Kopf führt zu Sicherheit im Umgang, und umgekehrt genauso.

Gibt es eine witzige oder skurrile Situation aus einem Kurs, die dir in Erinnerung geblieben ist?

Ehrlich gesagt fällt mir gerade keine ein. Vielleicht auch, weil in meinem Alltag inzwischen so vieles völlig normal geworden ist, was für andere skurril wirken würde. Das ist eigentlich fast schon die Antwort selbst, wenn man lange genug in einem Feld arbeitet, verschiebt sich das eigene Gefühl dafür, was ungewöhnlich ist.

Was möchtest du, dass Teilnehmende nach einem Kurs vor allem mitnehmen, mehr als jedes Detailwissen?

Neugier. Das wäre mein größter Wunsch. Nicht, dass Menschen abgeschreckt aus einem Kurs gehen, sondern dass sie merken, das ist interessant, darüber möchte ich mehr wissen. Und vielleicht auch die Erkenntnis, dass sich mit jedem Wissen, das man sich aneignet, gleichzeitig neue Fragen auftun. Das klingt zunächst unbequem, ist für mich aber die beste Grundlage für Reflexion. Und Reflexion ist ohnehin mein großes Thema, zusammen mit Kommunikation und Sicherheit. Das kommt in jedem Kurs mindestens einmal zur Sprache, und das soll auch so bleiben.

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